09.06.

Di / 18:00 – 20:00

Live-Vortrag: Zirkulation und Zensur – Was uns der literarische Untergrund des 18. Jahrhunderts über die sozialmedialen Kommunikationsdynamiken der Gegenwart lehrt

Vortrag in der Reihe "Carte Blanche. Forschung aus der Nachbarschaft"

Friedrich Balke, Ruhr Universität Bochum (RUB)

Gartensaal im Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI), Goethestraße 31, 45128 Essen

DIESER VORTRAG FINDET VIA ZOOM STATT. ZUGANGSDATEN WERDEN NACH ANMELDUNG AN MARIA.KLAUWER@KWI-NRW.DE VERSANDT. Der Vortrag wird aufgezeichnet. Mit der Anmeldung geben Teilnehmende ihr Einverständnis zur Aufzeichnung und Veröffentlichung ab.

Der Vortrag war ursprünglich für den 19.05. geplant.

Weil die Exponenten des literarischen Untergrunds in Frankreich von den repräsentativen Orten, an denen sich die Gelehrten und les philosophes artikulierten (privilegierte Bücher, Salons, Akademien) ausgeschlossen waren, kultivierten sie den grenzenlosen Hass auf die offizielle Kultur und schmähten sämtliche ihrer Institutionen „mit einer Unflätigkeit“, so Robert Darnton, „die man sich heute kaum vorstellen kann“. Der Vortrag nimmt diese Beobachtung zum Anlass, um die medienhistorische Differenz zur digitalen Plattformkultur der Gegenwart auszulosten, denn 1982, als Darnton seine Literaten im Untergrund veröffentlichte, existierten weder das Internet, wie wir es heute kennen, noch auch die sozialen Netzwerke, die der Schmährede und den Techniken der Verunglimpfung eine neue, ungeahnte Zukunft bescheren. Im Zentrum des Vortrags steht dabei die vergleichende Betrachtung von Maßnahmen, mit denen der literarische Verkehr damals und heute eingeschränkt, reguliert oder ‚moderiert’ wird und der literarische Diskurs zu einer Angelegenheit polizeiförmiger Aufmerksamkeit wird, der er sich zugleich zu entziehen versucht.

Friedrich Balke, Professor für Medienwissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Theorie, Geschichte und Ästhetik bilddokumentarischer Formen an der Ruhr-Universität Bochum und Sprecher des DFG-Graduiertenkollegs „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“; Fellowships u.a. an der Columbia University, NY, der Northwestern University, Chicago sowie am IKKM in Weimar, der Kolleg-Forschergruppe „BildEvidenz“, Berlin, dem Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“, Konstanz. Zu seinen Forschungsschwerpunkte zählen: Grenzgebiete zwischen politischer Theorie, Literatur und Medien; Medien und Mimesis; Theorie und Geschichte des Dokumentarischen. Jüngste Buchveröffentlichungen: Medienphilologie. Konturen eines Paradigmas (hrsg. zus. m. Rupert Gaderer, 2017), Mimesis und Figura. Mit einer Neuausgabe des „Figura“-Aufsatzes von Erich Auerbach (zus. mit Hanna Engelmeier, 2018, 2. Aufl.) sowie Mimesis zur Einführung (2018). In Vorbereitung befindet sich eine Kultur- und Mediengeschichte der Zensur.

INFOS ZUR REIHE „CARTE BLANCHE. FORSCHUNG AUS DER NACHBARSCHAFT“:
Eine gute Gelegenheit, um mehr darüber zu erfahren, was Kolleg*innen in den Kulturwissenschaften unserer Partner-Universitäten in der UA Ruhr erforschen. Einblicke in die Konsumgeschichte, Zukunfts-Diagnostik, Gender Studies und die Medienwissenschaft.