Partizipationskultur

Der 2013 eingerichtete transdisziplinäre Forschungsschwerpunkt Partizipationskultur ist eines der ersten wissenschaftlichen Kompetenzzentren zum Thema Partizipation und Bürgerbeteiligung. Ausgehend vom langfristigen Wertewandel und den gestiegenen Möglichkeiten der Mobilisierung und Vernetzung durch die Digitalisierung verändern sich Städte, Gemeinden und Länder zu Räumen partizipativer Demokratie und transformieren die Beteiligungskultur im Lande. Die Beteiligung der Bürgerschaft und organisierter Interessengruppen findet dabei kontinuierlich zwischen Konflikt und Gestaltung statt: Dem Januskopf der Bürgerbeteiligung.

CHANGE AGENTS VS WUTBÜRGER*INNEN

Auf der einen Seite stehen die sogenannten Change Agents oder Pioniere des Wandels, die gemeinsam mit anderen Initiativen starten und vormals staatliche Aufgaben eigeninitiativ übernehmen sowie Impulse für die kommunale Entwicklung setzen. So beispielsweise für eine sozial-ökologische Transformation in Bioenergiedörfern, Klimakommunen, Energiegenossenschaften, Reperaturcafes, FabLabs, Bar Camps und urbane Gärten. Anderseits prägen Widerstand und Protest das Bild: In Erscheinung tritt Bürgerbeteiligung dabei im Konflikt, der Ablehnung politischer Großvorhaben und der Missachtung von Politik und Verwaltung. Im Blickpunkt stehen oft einzelne Infrastrukturvorhaben, die tiefgreifende Eingriffe in die Lebenswelt sowie Risiken und Nachteile für die Betroffenen vor Ort bedeuten. NIMBYs (Not in my backyard) und Wutbürger*innen sind schillernde Beschreibungen dieses Phänomens, die in Stuttgart den Großbahnhof verhindern, in Berlin das Tempelhofer Feld erhalten wollen oder in Bayern gegen die „Monstertrassen“ am Ostbayernring protestieren.

DIALOGORIENTIERTE BETEILIGUNGSPROZESSE

Im Mittelpunkt der Analysen des Forschungsbereichs Partizipationskultur stand dabei in den letzten Jahren die Frage, unter welchen Bedingungen offene, auf Dialog ausgerichtete Austausch- und Mitwirkungsprozesse der Bürgerbeteiligung gelingen können. Welche Beiträge liefern diese zur Lösung von Konflikten? Welchen demokratischen Maßstäben sollen diese Prozesse genügen, um Anerkennungswürdigkeit bei den Bürger*innen zu erlangen? Wie sollten die Prozesse konkret ausgestaltet sein, damit sich nicht Partikularinteressen durchsetzen, sondern sich die Ergebnisse der Beteiligung am Gemeinwohl und gesamtgesellschaftlicher Verantwortung orientieren? Und schließlich: Wie können informelle Formen der dialogorientierten Bürgerbeteiligung wirksam an politische Prozesse in Stadt- und Gemeinderäten, Parlamenten, Regierungen und Verwaltungen geknüpft werden – auf lokaler, regionaler, bundespolitischer oder europäischer Ebene?

ALLHEILMITTEL VOLKSENTSCHEID?

Die Projekte der Partizipationskultur beforschen Energiewende und Netzausbau, die sozial-ökologische Transformation und die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure sowie Herausforderungen der partizipativen Technikfolgenabschätzung und der Generationengerechtigkeit. Zukünftig wird sich der Forschungsbereich verstärkt mit Interaktion und Integration von Beteiligungsformaten in komplexe Systeme und Strukturen befassen. Ausgehend von Städten und Gemeinden in Deutschland entwickeln sich alternative Systeme der zusammengesetzten Repräsentation Diese kombinieren auf pragmatische Art herkömmliche Legitimationsmodi wie Wahlen und Delegation in Parlamenten und Verwaltungen mit direktdemokratischen Abstimmungen (Volksbegehren, Befragungen) sowie unmittelbaren Beteiligungsformen (Stadtversammlungen, Runde Tische, Bürgerräte). Diese Entwicklungen der Demokratie benötigen eine kritische Begleitung durch anwendungsorientierte Partizipationsforschung.

Aktuelles

Förderung für das neue BMBF-Projekt „BioökonomieREVIER“ zum Thema Partizipationskultur und Strukturwandel

Förderung für das neue BMBF-Projekt „BioökonomieREVIER“ zum Thema Partizipationskultur und Strukturwandel

Das Rheinische Revier als Zukunftsregion für biobasierte Wertschöpfung: Diese Idee erarbeiten seit 2017 Wissenschaft, Wirtschaft, Region und Zivilgesellschaft gemeinsam unter dem Titel „BioökonomieREVIER“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert nun in einem ersten Schritt das Projekt „BioökonomieREVIER_KOM“ mit rund 3,9 Millionen Euro. Der Forschungsbereich Partizipationskultur am KWI bringt seine Expertise ein, um bis […]

Workshop zum EnerDigit-Projekt: Energiewende durch Digitalisierung in der Industrie unterstützen

Workshop zum EnerDigit-Projekt: Energiewende durch Digitalisierung in der Industrie unterstützen

„Welche Bedeutung hat die Digitalisierung der Industrie für die Energiewende?“ lautete die zentrale Frage des Workshops, der von dem Verbundprojekt „EnerDigit“ organisiert wurde und am 14. August 2019 am Institut für Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule stattfand. Die Tagung präsentierte Ergebnisse des Verbundprojektes „EnerDigit“, welches regionale und unternehmenskulturelle Perspektiven an der Schnittstelle von Digitalisierung […]

KWI on Tour: Das Participedia All-Team Meeting in Brighton diskutiert nach Launch der neuen Homepage über die zukünftige Entwicklung des Projekts

KWI on Tour: Das Participedia All-Team Meeting in Brighton diskutiert nach Launch der neuen Homepage über die zukünftige Entwicklung des Projekts

Das internationale Forschungsprojekt Participedia widmet sich der weltweiten Verbreitung demokratischer Innovationen und dialogorientierter Beteiligungsverfahren. Rund 60 internationale Teilnehmer*innen, darunter renommierte Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen, trafen sich vom 11. – 13. Juni 2019 am Institute of Development Studies (IDS) der University of Sussex, um Erfahrungen mit der Plattform auszutauschen und um zu diskutieren, wie Forscher*innen und Praktiker*innen […]

Neue Participedia-Plattform gelauncht!

Neue Participedia-Plattform gelauncht!

Das internationale Forschungs- und Vernetzungsvorhaben „Participedia“ stellt seine neue, überarbeitete, wissensbasierte Open-Source-Plattform vor, die weltweit demokratische Innovationen sammelt, aufbereitet und zur Verfügung stellt. Das Projekt entwickelt seit 2016 mit führenden Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus dem Feld der Demokratieentwicklung die gleichnamige Onlineplattform „Participedia“, für die kollaborative Generierung von Wissen über partizipative und demokratische Governance-Innovationen. Participedia wird […]

KWI on Tour: Zwischen Plastikwahn und Plastikvermeidung – Politischer Salon Essen

KWI on Tour: Zwischen Plastikwahn und Plastikvermeidung – Politischer Salon Essen

Am Abend des 20. Mai fand der Politische Salon unter dem Titel „Zwischen Plastikwahn und Plastikvermeidung“ im Grillo Theater in Essen statt. Die geladenen Podiumsgäste Olga Witt (Zero Waste Lifestyle), der Leiter des KWI-Teilprojekts Jürgen Bertling (Fraunhofer UMSICHT) und Uta Scholten (LVR Industriemuseum) diskutierten über Plastik als Werkstoff, welcher auf der einen Seite vielfältige Anwendungen […]