Kulturwissenschaftliche Wissenschaftsforschung

Wissenschaft beschert uns nicht nur Fakten, und schon gar keine endgültigen Wahrheiten. Vorstellungen von Interesselosigkeit, von Wert- und Zweckfreiheit sind zwar wichtig, um wissenschaftliches Wissen zu bestimmen und zu verteidigen. Immer wieder musste diese Abgrenzung aber auch zu Auffassungen von Nützlichkeit und Anwendbarkeit in Beziehung gesetzt werden. Wissenschaftstheorie, – geschichte und –soziologie haben zudem zeigen können, dass Wissenschaft nicht in luftleeren Räumen entsteht und besteht – sie hängt vielmehr eng mit historisch und sozial spezifischen Bedingungen der Produktion jenes Wissens zusammen, welches jeweils Wissenschaft genannt wird.

Am KWI gehen wir davon aus, dass die klassischen Disziplinen der Wissenschaftsforschung um kulturwissenschaftliche Ansätze und Methoden bereichert werden können. Damit rücken mediale, sprachliche, rhetorische, symbolische und performative Aspekte in den Blick: Welche Rolle spielen Aufzeichnungs- und Speicherungsmöglichkeiten für die Tradierung wissenschaftlichen Wissens; wie ändern sich Publikationsformen? Mit welchen Möglichkeiten der Illustration, des Aufzeigens und Beweisens werden peers und Laien informiert und überzeugt? Aus welchen Quellen sind solche Veränderungen zu ermitteln, wie können sie in ihren längst nicht immer linearen Verläufen dargestellt werden? Wie können wir die vielen nonverbalen und impliziten Faktoren beschreiben, die ebenfalls mitbestimmen, wie Wissenschaft praktiziert, eingeübt, aufgeführt und belohnt wird? Und ist es schließlich sinnvoll, von Wissenschaftskulturen zu sprechen – falls ja, wie können diese historisch und systematisch konkretisiert werden? Am KWI soll diesen Fragen nachgegangen werden, um andere Ansätze der Wissenschaftsforschung zu ergänzen. Die kulturwissenschaftliche Erforschung von Wissenschaft soll auch dazu beitragen, wissenschaftspolitische Debatten mit historischer und vergleichender Weitsicht zu versorgen.

Aktuelles

Auftakt der Reihe „Mittelmaß“: Architekt Lukas Imhof über „Midcomfort“

Auftakt der Reihe „Mittelmaß“: Architekt Lukas Imhof über „Midcomfort“

Am vergangenen Dienstag gelang dem Schweizer Architekten Lukas Imhof mit seinem Vortrag „Midcomfort – Architektur mit Maß und Ziel“ ein gelungener Auftakt der KWI-Reihe „Mittelmaß“, indem er seine vielbeachtete Publikation „Midcomfort – Wohnkomfort und die Architektur der Mitte“ vorstellte und daran seine architektonische Vision darlegte. „Midcomfort“ bezeichnete Imhof als Arbeitsmittel und Manifest zugleich: Zum Einen […]

Schichtwechsel: Dissertationspreis 2018 & Neue KWI-Forscher*innen

Schichtwechsel: Dissertationspreis 2018 & Neue KWI-Forscher*innen

Mit einer kurzweiligen Veranstaltung unter dem Motto „Schichtwechsel“ wurden am gestrigen Dienstag nicht nur die Preisträger*innen des zehnten Dissertationspreises Kulturwissenschaften geehrt, sondern auch neue KWI-Fellows vorgestellt. Die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Eva Schauerte und der Philosoph Kevin Liggieri, die an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) promoviert wurden, gaben in ihren Dankesreden Einblicke in die Genese ihrer Arbeiten. […]