KWI on Tour: Verena Keysers am CUNY Graduate Center in New York City

Eine transatlantische Kollaboration von Professor*innen der Universitäts-Allianz-Ruhr (UAR) und der City University of New York (CUNY), ermöglicht es Promovierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften aus den Vereinigten Staaten und Deutschland, für eine Woche zu einem Workshop zusammenzukommen, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Das Programm steht im Geiste des transatlantischen Austauschs und ist als „Two-Summer-Workshop“ konzipiert, der abwechselnd an Forschungseinrichtungen in Deutschland und den USA stattfindet. Die diesjährige Hinrunde des Austauschprogramms fand vom 8. bis 13. Juli am Graduate Center der City University of New York (CUNY) statt.

Verena Keysers, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsbereich „Kommunikationskultur“ des KWI, hat in diesem Jahr einen der begehrten Plätze in dem Austauschprogramm zum Thema „Politics, Identities and Relationships in the Transatlantic World“ erhalten. Sie konnte mit ihrem Dissertationsprojekt, das im Rahmen des DFG-Projektes „Kommunikation und Demenz“ am KWI angesiedelt ist, mehrere Fördernetzwerke von der Relevanz ihrer Forschungsarbeit überzeugen.

Am vierten Workshoptag präsentierte sie ihr ethnographisch angelegtes Dissertationsprojekt über die „kommunikative Konstruktion von gemeinsamem Leben mit Vorzeichen der Diagnose Demenz“, in dessen Rahmen sie über mehrere Jahre hinweg Paare in ihrem alltäglichen Leben begleitet, die von der Diagnose Demenz betroffen sind.  Sie plädierte unter Vorstellung einiger Forschungsergebnisse für eine Perspektive, die Demenz nicht als ›Krankheit‹, sondern als ›soziale Lebenslage‹ untersucht. Auf das Workshopthema „Politics, Identities and Relationships in the Transatlantic World“ rekurrierend zeigte sie auf, dass die den gesellschaftlichen Diskurs stark prägenden Problembeschreibungen, die Demenz als den in Stadien verlaufenden Verlust kommunikativer, sozialer und körperlicher Fähigkeiten der erkrankten Person betrachten, das soziale Phänomen und die damit verbundene soziale Herausforderung nicht zutreffend abbilden. Darüber hinaus bewirken sie eine für einen verstehenden Zugang zu dieser Lebensform hinderliche Fokussierung auf Störungen im Handlungsfeld. Betrachte man das Thema „Demenz und Kommunikation zwischen Angehörigen“ hingegen als soziale Lage von existenziell aufeinander Angewiesenen, könnten geteilte Praktiken der kommunikativen Konstruktion von gemeinsamem Leben als kulturbildende Praktiken und Aneignungsweisen von Lebenssituationen zu Tage treten, die in weiterer Forschung auch international vergleichend in den Blick zu nehmen wären.

Im kommenden Jahr trifft sich die Gruppe des Two-Summer-Workshops „Politics, Identities and Relationships in the Transatlantic World“ in Deutschland, um wieder gemeinsam zu tagen und an der Genese der Forschungsprojekte, sowie der transatlantischen Freundschaft und Zusammenarbeit mitzuwirken.